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 Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe

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chiara
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BeitragThema: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   So 08 Feb 2009, 19:28    © chiara

Hallo allerseits

ich habe mich heute angemeldet und möchte erstmal allen hier ein liebes "Hallo" sagen! Es wird ein längerer Beitrag werden, aber ich suche so dringend einen Ort, wo ich einfach mal mit Menschen sprechen kann, die Ähnliches erlebt haben, wie ich jetzt......

Zum Thema: Wir sind 6 Geschwister, mein Eltern leben mit (Vater) 80 und (Mutter)77 alleine in einer Wohnung. Meine Mutter ist seit längerem an Demenz erkrankt, bisher aber lehnte mein Vater jede Hilfe ab - wir konnten ihn zwar dazu bringen, mit meiner Mutter einen Neurologen aufzusuchen und so die Demenz festzustellen, allerdings um eine genaue Diagnose zu erstellen, weiteres zu veranlassen, evtl. Hilfe zu bekommen, verweigerte er sich.

Bisher war es so, dass meine Mutter auch noch "halbwegs" einem Gespräch folgen konnte, teilweise antwortete, reagierte und auch absolut zuhause leben konnte.
Jetzt aber ist es vor drei Wochen passiert, dass mein Vater beim Einkaufen mit dem Rad schwer stürzte .- er brach sich zum zweiten Mal innerhalb 2 Jahren die Hüfte, dieses Mal sehr kompliziert und es war direkt klar, dass es eine langwierige Sache werden würde, mit OP, KH-Aufenthalt und anschließender Reha.
Nun - was tun mit meiner Mutter? Kurzerhand setzten sich die Geschwister - bis auf zwei Brüder, die sich sofort aus allem ausklinkten und verlangten, meine Mutter sofort in ein Heim zu geben - miteinander in Verbindung und wir versuchten, ob es uns gelingen würde, die Zeit, bis mein Vater wieder zuhause ist, zu überbrücken, indem wir abwechselnd meine Mutter etwas betreuten.

Leider wurde sehr schnell aus dieser Betreuung ein 24 Std. Job - denn meine Mutter war nicht mehr dazu zu bewegen, auch nur 10 Min. alleine zu bleiben. Sie weinte, flehte und bettelte - so dass wir uns nicht in der Lage sahen, sie in ihrem Schock-Zustand alleine zu lassen. Die Nächte bei ihr waren nur schwer zu bewältigen: Sie machte die Nacht zum Tage, war ständig in Bewegung, wenn man gerade eingeschlafen war, weckte sie einen wieder auf, sie suchte immer wieder meinen Vater und ihr Zustand verschlechterte sich innerhalb nur weniger Tage derart massiv, dass nun an ein Alleinelassen schon aufgrund der Sorge, sie könnte nachts plötzlich aufwachen, feststellen, dass niemand da war und irgendwo draußen auf der Suche nach Vater herumirren, nicht mehr zu denken war.

Dazu kam jetzt noch, dass sie sich massiv weigerte, Nahrung egal in welcher Form zu sich zu nehmen, jede Hygiene war dahin - sie zog sich morgens einfach an, ohne auch nur das Gesicht zu waschen oder die Zähne zu putzen - unsere vorsichtigen Hinweise, dass sie sich frisch machen sollte, lehnte sie wütend und aggressiv mit den Worten ab, sie habe sich bereits gewaschen.
Sie war fast nicht mehr ansprechbar, fragte nur noch zum x-ten Mal eine Frage nach der anderen, erkannte uns zwar noch, aber begrüßte uns nicht mehr, sondern nahm nur wahr, dass jetzt jemand anderes da war. Sogar abends bittelte und bettelte sie darum, dass man mit ihr zusammen einschlief - was eigentlich kaum möglich war, da sie eben immer wieder aufstehen musste. Zur Toilette, schauen, ob alles in Ordnung war, einen Zettel schreiben, was zu tun war, wieder zur Toilette gehen, etwas trinken - und dass bis mitten in der NAcht - dann schlief sie kurz - und dann ging alles von vorne los.

Von meinem Vater erfuhren wir außerdem, dass es des öfteren vorgekommen war, dass sie kurzzeitig gegenüber ihm regelrecht gewalttätig geworden ist - so zerstach sie mehrmals die Reifen seines Fahrrades, schmetterte ihm eine gußeiserne Bratpfanne auf den Arm und fuhr ihm immer wieder den Rollator gegen seine Beine, so dass er teilweise blaue Flecken hatte.
ER kommt jetzt am Montag zunächst aus der Klinik nach Hause, darf das Bein nicht annähernd belasten und muss auf die REha vorbereitet werden. Natürlich ist es ihm in diesem Zustand nicht möglich, sich um meine Mutter zu kümmern - und die Verwantwortung, dass meine Mutter ihm erneut gewalttätig gegenübertreten würde, wollten und konnten wir nicht übernehmen.

Wir haben sehr viel mit versch. Leuten gesprochen und nachgefragt, welche Möglichkeiten der Hilfe es gäbe - wir haben zwar teilweise Urlaub genommen, aber auf lange Sicht war diese 24 Std. Betreuung nicht mehr mit Beruf, eigener Familie und Psyche durchzuhalten. Zumal jetzt vollständige Nachrungsverweigerung hinzukam und wir Angst hatten, dass sie am lebendigen Leib verhungerte.

Also entschlossen wir uns, sie vorübergehend in eine Kurzzeitpflege zu geben. Wir MUSSTEN einfach etwas durchschnaufen, auch diesen Abbau der Gesundheit meiner Mutter erstmal "verarbeiten".....und was ist nun? Sie liegt seit ihrer Ankunft dort ausschließlich im Bett. Sie ist jetzt mit aller Kraft der Pflegekräfte dazu zu überreden, wenigstens an den Mahlzeiten teilzunehmen, aber auch da muss jeder Bissen regelrecht "in sie hineingesprochen werden" - wir selbst versuchen mit allen Mitteln, sie dazu zu bewegen, aufzustehen - sie weigert sich. Sobald es uns für 5 Min. gelingt, fleht und bettelt sie bereits nach wenigen Sekunden, wieder ins Bett zu dürfen. Auch das selbständige Trinken lässt jetzt nach, sie ist fas nicht mehr ansprechbar, ihr Blick geht durch uns hindurch.

Wir haben uns unsere Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht - und wir konnten uns keineswegs auf diesen "FAll der Fälle vorbereiten", weil mit dieser Situation nicht zu rechnen war und auch niemand dachte, dass sich ihr Zustand innerhalb so kurzer Zeit so drastisch verschlimmerte.

Gerade momentan verstehe ich, dass DIE Mutter, die ich bisher kannte und liebte, nicht mehr wiederkommen wird und ich lernen muss, Abschied von ihr zu nehmen - um den Zustand jetzt von ihr anzunehmen und zu akzeptieren.

Aber so, wie es jetzt aussieht, wird meine Mutter über sehr kurze Zeit ein Vollpflegefall sein, obwohl es den Anschein macht, dass sie eigentlich aufgrund ihrer Demenz noch in der Lage dazu wäre, aktiver zu sein - aufgrund einer wohl einsetzenden Depression aber nicht mehr........

Die Ärzte sind benachrichtigt und werden wohl nächste Woche weitere Untersuchungen vornehmen - meine Angst aber ist es, dass es zu spät sein wird.......

Ich bitte um Entschuldigung über diesen langen Beitrag, aber ich bin sehr verzweifelt, denn es ist auch für uns Angehörige nicht leicht....

Chiara
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Nele
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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Mo 09 Feb 2009, 11:22    © Nele

Hallo Chiara,

zunächst einmal ein herzliches Willkommen in unserer Runde.

Beim Lesen Deines Beitrages ist es mir kalt den Rücken 'runtergelaufen, Ihr habt ja einiges hinter Euch.

Demenz verläuft meist in Schüben, ich wußte auch nie, in welchem Zustand sich mein Vater befinden würde, wenn ich ihn besucht habe. In der Anfangsphase kriegt der Betroffene noch mit, wie er oder sie geistig "verfällt" - was unerträglich ist und zu diesen aggressiven Ausbrüchen führt.

Nahrungsverweigerung ist allerdings kein gutes Zeichen - es kann bedeuten, dass Deine Mutter sich selbst aufgegeben hat. Es wäre sicher hilfreich, wenn sich ein Psychiater Deiner Mutter annehmen könnte.

Mein Vater ist nach seinem Schlaganfall und der damit einhergegangenen Verschlechterung der Demenz in ein Heim gekommen. Leicht war es nicht, aber der Gesundheitszustand meiner Mutter ließ eine häusliche Pflege nicht zu. Dazu kam, dass meine Schwester und ich zwingend arbeiten müssen und wenig Zeit hatten. Im Nachhinein kann ich nur sagen: es war richtig! Für meinen Vater, weil er professionell gepflegt worden ist; für uns, weil wir doch ein Großteil beruhigt sein konnten, er war in guten Händen.

Ich wünsche Dir vor allem Kraft - Du wirst sie noch gut gebrauchen können.
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Tinkerbell
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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Mo 09 Feb 2009, 11:52    © Tinkerbell

Hallo Chiara,
auch von mir ein herzliches Willkommen hier! Ich bin ja auch noch nicht lange dabei, aber auch sehr froh, daß man hier mal über alles sprechen kann. Das wird dir sicher auch gut tun.

Die Entscheidung mit der Kurzzeitpflege war sicher richtig, denn so drastisch, wie die Veränderungen über euch hereinbrachen, hatte ihr ja kaum eine Chance, euch anders vorzubereiten.

Soweit ich das beurteilen kann, wurden die ganz drastischen Veränderugen durch den Unfall und die anschließende Abwesenheit deines Vaters ausgelöst. Aber ich vermute, daß er vieles schon sehr viel früher bemerkt und nicht richtig eingeschätzt hat, wie z.B. die Gewalttätigkeit. Hätte er darüber z.B. mit dir und deinen Geschwistern gesprochen, hättet ihr anders da rangehen können.
Leider habe ich auch das Problem mit meinem Vater, daß er vieles unterschätzt.

Ich weiß gar nicht Recht, was ich dir raten kann; zunächst wird man wohl die Ergebnisse von weiteren Untersuchungen abwarten müssen und auch eine evt. Medikation wegen der Depressionen.
Vor der Nahrungsverweigerung habe ich persönlich auch die meiste Angst, das Problem mit dem Trinken kenne ich auch. Da fühlt man sich wie ein Bettler am Weg "nu trink doch mal einen Schluck".....

Ich kann leider so gar nichts weiter für dich tun. Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit; hier im Forum kannst du jederzeit reden.


Viele Grüße

_________________________________________________
Sylvia aus Remscheid
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chiara
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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Mo 09 Feb 2009, 19:29    © chiara

Ich danke Euch erstmal sehr herzlich für das Willkommen und die aufbauenden Worte! Ich lese hier auch mit - und sehr oft von Angehörigen, die eben zuhause pflegen, sogar ihren Beruf aufgegeben haben und sich gänzlich Mutter oder Vater widmen.
Allerdings bin ich selbst von Depressionen nicht "verschont" worden und kämpfe seit Jahren darum, ein Leben ohne Psychopharmaka zu führen. Ich für mich habe gemerkt, dass es einfach nicht geht. Und ich habe für mich entschieden, dass ich meiner Mutter sicher nicht helfe, wenn ich selbst über meine Grenzen gehe.
Das, was am schlimmsten ist, ist der plötzliche....ja, ich muss schreiben, "Verfall" meiner Mutter von einer Frau, mit der wir doch noch vor wenigen Wochen relativ gut umgehen konnten, auch wenn da die Vergesslichkeit, die dauernden Fragen und einiges mehr sehr schwer zu verstehen waren, fast in einem Pflegefall. Sie hat innerhalb fast weniger Tage ALLES verloren: Emotionen, Koordination, oftmals sogar schon das Erkennen von Personen, das Schamgefühl - sie ist wie ein kleines Kind - zieht sich vor jedem, auch vor völlig Fremden, ohne Scheu ganz aus, geht auf die Toilette und lässt weit die Tür offen stehen, auch wenn "fremder Besuch" da war oder ist, jetzt im Heim sowieso.
Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll.....sie ist für mich in meinem Wahrnehmen ein völlig anderer Mensch geworden - es ist, als sei ich plötzlich oftmals "strenge Mutter" und sie das Kind, das "gehorchen" muss.....
Dazu noch die ständig aufkommenden Schuldgefühle, die Gedanken, "da läuft was verkehrt rum", manchmals sogar fast Ärger oder Wut, weil sie von mir, die ich ohne Partner bin, "verlangt", ich hätte doch Zeit und könne dauernd bei ihr bleiben.
Im Kopf weiß ich sehr wohl, dass sie das nicht mehr anders weiß und in ihrem "früheren Leben" niemals so sagen würde - aber das Herz, die Seele.....
Ich bin so froh, dass ich nicht alleine bin und auch meine Geschwister öfter bei ihr sind - so braucht nicht jeder jeden Tag zu ihr zu gehen, denn für uns alle ist der Prozess des Verarbeitens noch nicht eingetreten - und ich bin jedes Mal psychisch am Ende meienr Kräfte, wenn ich einige Stunden bei ihr verbracht habe.

Bitte versteht mich nicht falsch - es ist für mich "keine lästige Pflicht" - sondern es ist momentan einfach diese "Verarbeitung", dieses GEfühl, "was ist da bloß geschehen?" Wie gehe ich damit um? Wann wird das "zur Gewohnheit"? Wann schaffe ich es, relativ "normal" zu ihr zu gehen?

Ich hoffe, dass ihr mich verstehen könnt - und es Euch vielleicht ähnlich geht oder am Anfang ging.....wie geht Ihr damit um und was macht Ihr, um das zu verarbeiten?

Danke und herzliche Grüße
Anja
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Tinkerbell
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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Mo 09 Feb 2009, 20:06    © Tinkerbell

Hallo Anja,
und ob ich dich verstehen kann! Und sicher alle anderen hier auch.

Ich sehe den "Vorteil" dieser Krankheit normal darin, daß der Prozeß recht schleichend und langsam ist, so daß man sich doch eher darauf einstellen kann, als wenn z.B. der Angehörige einen Unfall hat und man quasi von einem auf den anderen Tag mit einem Leben im Rollstuhl, Blindheit oder ähnlichem zurechtkommen muß.
Bei dir ist es nun so, daß du gleich volle Kanne so eine drastische und sehr schnelle Veränderung erlebst; da ist es ungleich schwerer, weil man ja sozusagen alles auf einmal verarbeiten muß: den "Verfall" des Angehörigen, seine Veränderungen, Dinge, die er früher vielleicht nie getan hätte, der eigene Rollenwechsel (z.B. wie bei dir von der Tochter zur "Mutter").

Ich selbst habe auch Depressionen und daher weiß ich, daß man sehr darauf achten muß, die eigenen Grenzen nicht zu überschreiten. Und das geht leider meist schneller, als man denkt.
Mach dir also kein schlechtes Gewissen, wenn du mal nicht zu deiner Mutter fahren kannst. Achte da sehr auf dich, deine Seele sagt dir schon, wenn sie wieder bereit ist.

Alles Gute für dich und liebe Grüße

_________________________________________________
Sylvia aus Remscheid
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maxmoritz
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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Di 10 Feb 2009, 18:34    © maxmoritz

Hallo Chiara.

Auch von mir herzliches Willkommen hier bei uns. Nutze dieses Medium denn es hilft.
Ich kann sehr sehr viel nachempfinden und gebe Dir auch nur den Rat suche einen Neurologen der auch Psychologe ist und diese Anzeichen sieht. Ich wage mich mal an die Vermutung das die Depression die Demenz extrem überlagert und daher auch diese Verweigerungen kommen. Bei meiner Ma war es ähnlich. Seid Sie die Antidepressiva bekommt geht es ihr besser. (Sorry, ging muss es ja bei uns heißen.)

Meine Ma kam eine Station um eingestellt zu werden und es ging wirlkich zügig besser und der Lebenswille war wieder da.

Wenn Dein Vater annähernd wie viele der "älteren" Genaration denkt dann gehört sich das nicht über solche Probleme zu sprechen. Meiner benutzte diesen tollen Satz:
"Das bleibt alles nur hier in diesen 4 Wänden."

Jeder Streß bzw. jede stressige Situation die meine Ma mitgemacht hat /erlebt hat hat ihren Zustand verändert.
Ich weiß nicht ob Du in Deiner Nähe eine Auswahl an Neurologen, bzw Psychiologen/Neurologen hast. Aber es lohnt sich dafür auch ein bischen Wegstrecke in Kauf zu nehmen.
Bleib tapfer und ja, halte Dir genau wie ich immer wieder vor:
Das ist nicht wirklich Mam die so ist, das ist die Krankheit.

Bis bald. Liebe Grüße Monika
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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Mi 11 Feb 2009, 12:04    © Admin

Liebe Anja

Ich möchte mich den anderen anschliessen und dich erst mal herzlich willkommen im Forum heissen. Viele sehr gute Antworten hast du schon bekommen und so möchte ich einfach nur meine zusätzlichen Gedanken noch dazu schreiben.

Zur Gewohnheit wird der Umgang mit unseren lieben Dementen wohl nie werden. Meistens hinkt man dem Krankheitsverlauf immer etwas hinterher. Am Anfang ist es sehr schwer, um nicht dauernd nur mit der gesunden Zeit zu vergleichen....Später vergleicht man dann eher mit den besseren Tagen im Krankheitsverlauf....Bis man schlussentlich soweit kommt, das z.B jeder entspannte Tag ein guter Tag ist und sich darüber aus ganzem Herzen einfach mal freuen kann. Und an schlechten Tagen sich fragt, was kann ich versuchen an meinem Verhalten zu ändern, um gewisse, entstandene Konflikte zu vermeiden. Es gelingt nicht immer so wie man gerne möchte. Der ganze Krankheitsverlauf ist ein auf und ab der Gefühle (Gefühlscocktail). Aber es gibt meist nicht nur traurige Zeiten, sondern durchaus auch schöne, wertvolle Momente.

Ich bin dankbar um die Zeit die wir mit Erik hatten. Traurig bin ich nur, das meine Kraft nicht soweit reichte wie ich es gerne gehabt hätte....

Nun sind wir beim Thema Kraft. Wir alle haben unsere Grenzen - auch wenn diese unterschiedlich sein können - so sollten sie unbedingt eingehalten werden. Es dient wirklich niemandem wenn man die eigenen Grenzen überschreitet. Zu schnell könnte dann die Pflege in einer Katastrophe enden, oder der Umgang mit dem Dementen so stress beladen oder gereizt sein, das es schlussentlich mehr schadet als hilft.

Darum finde ich es sehr gut, das du deine Grenzen so klar siehst.
Es hilft dabei vernünftiger zu Planen und das hat in vieler hinsicht seine Vorteile.

Essensverweigerung: Dafür gibt es verschieden Gründe. Als erstes muss jedoch abgeklärt werden ob nicht z.B eine Verdauungsstörung, oder Schmerzen vorliegen könnten. Vorallem da Demenzkranke oftmals auch diffuse nicht mehr klar definierbar Schmerzen haben. Des weiteren muss man bedenken, das Demenz und Depressionen meist Hand in Hand gehen. Einschneidende Veränderungen wie z.B bei euch da dein Vater wegen Krankenhaus und Reha plötzlich für sie, aus ihrer Sicht einfach verschwunden war, können starke Auswirkungen haben. Was ich auch wichtig finde ist, zu wissen, das Hunger- und Durstgefühl, aber auch Sättigungsgefühl immer schwächer werden. So ist essen oder trinken für viele Demente entweder eine schöne, angenehme Beschäftigung, oder umgekehrt etwas lästiges. Vorallem wenn in dem Zusammenhang immer wieder gesagt wird "du musst, du sollst". Bei uns half in solchen, wenn auch eher seltenen Fällen, als das trinken mit zuprosten kombiniert wurde, oder Erik mir beim essen "helfen durfte". So sass ich vor einem Teller und sagte, das muss ich jetzt alles essen (trauriges Gesicht dazu), nimmst du mir ein bisschen ab, weil alleine schaffe ich es nicht. Helfen, ja das tat Erik gerne, es gab ihm das Gefühl für etwas gut zu sein - und so hatte er mir ja auch wirklich geholfen. Wenn jedoch alles nichts hilft, dann braucht es vielleicht wirklich Antidepressiva.

Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft
Liebe Grüsse
Ursula
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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Mi 11 Feb 2009, 12:18    © sylvia

Herzlich willkommen Chiara,
ja - wir haben wohl alle ähnliches durchlebt. Als ich nach dem Tod meiner Mutter endlich wiedersehen durfte, hatte sich auch einiges verändert, wie ich hier schon in meiner Geschichte beschrieb. Trotz Partner, war ich allein oder besser mir standen und stehen meine erwachsenen Söhne zur Seite.

Mein Papa hat durch mich wieder ins Leben gefunden. Aber als dann der Tag kam, wo ich merkte es geht nicht mehr allein in dem großen Haus, hab ich den Entschluss gefaßt ihn in einen Seniorenstift zu bringen, den ich nach reiflicher Überlegung auswählte. Es gefiel ihm gut und er hatte seine Möbel und Bilder von uns. Er lebte dort 1 Jahr, aber als dann ende Juli der Abschied kam und ich 5 Tage an seinem Bett saß wußte ich es war nun soweit. Er starb mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Ich weiß nicht, was in seinem Kopf genau vor sich ging. Er hatte Demenz und machmal dachte ich, es war gut. So hat er über den Tod seiner Frau und das sie ihn fast über den Jordan geschickt hat, wohl nicht nachgedacht und hat es hoffe ich, nicht so verstanden. Ich habe meinen Papa sehr lieb, wie auch er mich. Dieses Leuchten in seinen Augen, als wir uns endlich wieder hatten war unbeschreiblich. Ich zehre noch heut davon und denke dran zurück und träume immer noch von ihm. Im Aug. ist es 1 Jahr, wo er von mir ging.

Habe in dieser Zeit viel mit meinen beiden Söhnen geredet. Lenke mich auch mit einem Buch, Musik oder mal ne Spazierfahrt, schwimmen fahren ab. Man braucht das als Ausgleich sonst wird man krank.

Mach Dir keine Vorwürfe, höre auf Deine Stimme und vergiss Dich nicht über all den Kummer.

Viel Kraft wünscht Dir Sylvia Übrigens ich schreib jetzt an einem Tagebuch oder besser gesagt meiner Biografie, auch das tut gut

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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Mi 11 Feb 2009, 19:25    © chiara

Hallo an alle

es tut ja schon mal gut, immer wieder die aufbauenden Worte zu lesen! Es ist ebenfalls nicht zu glauben, dass Ärzte sich einfach "weigern", einen Heimbesuch zu machen! Ich weiß nicht, wieviel Neurologen wir angerufen haben - sie kommen entweder nicht oder aber in 3, 4.....x Wochen! Völlig egal, wie es dem Patienten geht, etc. Ich weiß, welche Wartezeiten bei Psychiatern, etc. herrschen - ich selbst musste teiweise schon 4 Wochen auf einen Termin warten. Der Unterschied: Mir ging es zwar auch besch..... und ich wusste nicht mehr weiter, aber ICH bin oder war ein junger, selbständiger Mensch, klar denkend und mit den Möglichkeiten, in der Wartezeit vielleicht eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen, das Sorgentelefon zu benutzen, im shclimmsten Fall in die Psychiatrie zu gehen! Meine Mutter oder andere Patienten in ihrem Zustand haben diese Möglichkeiten NICHT! Sie verstehen nicht mal, WAS da eigentlich passiert - und bis sich ein Neurologe bereiterklärt, endlich mal zu kommen, ist es möglicherweise zu spät!
Ich fass das einfach alles nicht.....tausend Worte von vielen: "Der MUSS aber kommen - dringend!" - Jo - macht er aber nicht! Meine Mutter sollte gestern zu einem kurzfristig anberaumten Termin (weil ein Patient abgesagt hatte) in die Praxis kommen. Man stelle sich vor: Eine Frau, demenzkrank und und nicht mehr fähig, auch nur die Cafeteria des Heims aufzusuchen, einen Stock tiefer, mit Fahrstuhl - soll jetzt mit dem Auto in die Stadt gebracht werden, sie soll durch die halbe Fußgängerzone laufen, um dann in irgendeiner Praxis stundenlang warten zu müssen......

Kurzum: Meine Mutter war nicht dazu zu bewegen, auch nur das Heim zu verlassen! Eine Allgemeinärztin hat sie gestern utnersucht, ihr ein Antidepressiva verschrieben und ansonsten.....leidet sie laut dieser Ärztin an "fotgeschrittener Alzeimer-Demenz" und einer Depression. Es ist schwer festzustellen, was Demenz und was Depression ist. Sie meint aber, dass wenn die Depression abklingt, es durchaus möglich und sogar wahrscheinlich ist, dass sie zumindest wieder etwas aktiver wird - aber auch das ist nicht sicher, weil man nur hoffen kann, dass das AD anschlägt, bevor sie so "kraftlos" ist, dass sie wirklich nicht mehr aufstehen KANN - und dass es überhaupt eine Wirkung bring.
Sie meint, aus ihrer ärztlichen Erfahrung heraus, würde es in diesem Stadium der Demenz keinen Sinn mehr machen, ein Medikament gegen die Demenz zu verabreichen - jedenfalls nicht, bevor die Depression abgeklungen ist und man sehen kann, wieweit die Krankheit fortgeschritten ist. Das aber ist ihre Meinung, keine ärztliche Diagnose, da sie sich sehr viel Mühe gegeben hat, auch mit meinem Bruder sehr lange gesprochen hat, aber eben selbst sagt, sie ist keine Neurologin, sondern das sei das, was sie sehe, untersucht habe und wie es aus ihrer Erfahrung ausieht.

Ein "Termin" mit einem Neurologen ist jetzt vereinbart, der Hausbesuche im Heim macht - so etwa in 3 Wochen, meine ich verstanden zu haben. Tja...wenn meine Mutter Privatpatientin wäre........

Sie will und wollte nicht zu diesem Arzt in die Praxis gehen - was tun? Sie opraktisch "zwingen"? Dahin tragen? Meine Brüder haben es nicht geschafft und ihren Willen akzeptiert.
Sie IST natürlich in einer schweren Depression - aber leider gibt es da für uns keinerlei Möglichkeit, sie wieder "herauszuholen". Uns bleibt da nur, sie zu besuchen, sie immer wieder zu versuchen, zu aktivieren und ansonsten abzuwarten.....

Trotzdem - ein liebes Danke an Euch und ganz herzliche Grüße
Anja
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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Mi 11 Feb 2009, 21:09    © Admin

Liebe Anja

Ich kann deine Wut durchaus verstehen. Alleine schon durch die Tatsache, das manchmal der Kampf, damit unsere Lieben das bekommen was ihnen zusteht, anstrengender ist als die Krankheit selbst.

Demenzmedikamente zu verabreichen macht durchaus Sinn. Ausser es befindet sich jemand wirklich im aller letzten Stadium. Die Medikamente bewirken immerhin, das die noch vorhandenen kognitiven Fähigkeiten besser genutzt werden können. Warum diese Medikamente nicht so schnell und gerne gegeben werden, hat vermutlich einerseits mit einem nicht gerade günstigen Preis zu tun und andererseits der Tatsache das diese dennoch die Demenz nicht zu heilen vermögen......

Hoffen wir mal dass das Antidepressiva bei deiner Mutter anspricht und so ihre Stimmung, vorallem für sie selber erträglicher werden darf - was eigentlich die Hauptsache wäre. Leider dauert dies auch ein paar Wochen um genaueres sagen zu können.

Ich denke es wäre sehr gut und hilfreich wenn ihr alle eure Beobachtungen aufschreibt. Je klarer eure Informationen je schneller könnte deiner Mutter dann vom Neurologen her geholfen werden.

Ich wünsche dir viel Kraft und Geduld

Sei lieb Gegrüsst
Ursula
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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Do 12 Feb 2009, 08:22    © sylvia

Moin Chiara,
sag mal kannst Du dich nicht an den Hausarzt wenden? Mein Arzt war gleichzeitig der Doc meines Papas und er fuhr regelmäßig in den Seniorenstift. Wenn er einen anderen Arzt brauchte regelte er das telefonisch und ich konnte noch am selben Tag dort erscheinen. Nun sind wir nicht so eine große Stadt und daher ist es vielleicht leichter.
Ich hab dem Arzt viel zu verdanken und hatte und habe in ihm immer einen Zuhörer, der sich Zeit nimmt.

Weiterhin alles Gute wünscht Dir Sylvia

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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Fr 13 Feb 2009, 07:53    © chiara

Hallo Sylvia

der Hausarzt kam zwar zu Besuchen in die Wohnung meiner Eltern, aber ebenfalls nicht ins Heim!

Ich muss sagen, dass es mir schon einige Tage nicht so besonders geht und ich es nicht geschafft habe, diese Woche meine Mutter zu besuchen. So kam es vor, dass sie zwei Tage gar keinen Besuch hatte - meine Geschwister konnten Mittwoch und gestern auch nicht.
Gestern WOLLTE ich eigentlich, es war fest eingeplant - und wie durch Zufall.....bekam ich gestern eine heftige Migräneattacke. Und zwar so schlimm, dass ich nicht mal von der Couch hochkam, sondern den ganzen Tag geschlafen habe.
Denke jetzt, dass ich stark in der Verarbeitungsphase bin und vielleicht einfach diese Zeit "brauche" - und mein Körper mich mit den Kopfschmerzen und dem Schlaf daran "erinnert" hat, was ich in den letzten Wochen mitgemacht habe.
Mal sehen, wie es heute wird.
Ganz lieben Dank an Euch!

Anja
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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Fr 13 Feb 2009, 08:09    © sylvia

Gute Besserung Anja,
sag kannst Du keinen Arzt finden der auch ins Heim kommt? Mein Vater hat auch nicht seinen gewohnten Arzt behalten, sondern bekam meinen Hausarzt und das war gut so, da der "Alte" nicht die richtigen Medikamente gab fürs Herz.

Vergiß Dich selber nicht und denke mal so, Demenzkranke merken nicht, wie oft man kommt, sie haben nicht das Zeitgefühl.

LG Sylvia

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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Fr 13 Feb 2009, 13:57    © chiara

Was denn noch alles????? Mensch, ich dreh wirklich am Rad: Heute morgen ist meine Mutter im Bad dort gestürzt und mti Verdacht auf Schlaganfall in die Klinik eingewiesen worden.
Jetzt wissen wir nicht, ob der Kurzzeitpflegeplatz erhalten bleibt oder aber sie nach ihrem Aufenthalt dort erneut "umziehen" muss.....
Wie sie das jetzt verkraftet hat - keine Ahnung.....fast hoffen wir, sie würde einfach einschlaffen......was muss den ein mensch noch alles ertragen, der doch praktisch gar nicht mehr wei0ß, was um ihn herum vorgeht??????

Man - ich kann das alles nicht begreifen.......

Liebe Grüße
Anja
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BeitragThema: Re: Vorstellen aber auch Bitte um Hilfe   Fr 13 Feb 2009, 17:13    © sylvia

Hi Anja,
es ist nicht einfach. Aber denk mal an die Fälle, die es schlimmer erwischt. Kinder die todkrank sind. Menschen die im Koma liegen und es gibt da soviel. Vielleicht ein kleiner Trost.

Einfach im Seniorenstift anrufen und nachfragen. Vorher aber im Krankenhaus abklären, wie schlimm der "Schlaganfall" ist. Dann kann nämlich aus der Kurzzeitpflege anschließend ein Daueraufenthalt werden.

Für einen Demenzkranken ist es immer schwierig sich an eine neue Umgebung zu gewöhnen.

Bleib stark und tapfer.

LG Sylvia

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